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Oktobervormittag

Nicht grau. Nicht verregnet. Aber von Traurigkeit geplagt. Nun, Traurigkeit, worüber ? Ist es das Aufstehen, jeden Morgen aufs Neue, dieses Aufstehen mit der Hülle, die drüber muss, mit der Hülle, die sagt „Hey-Happy-Holy-Wonderful-Day“, die ein Lächeln preis gibt, das nicht echt ist, die nicht einmal mehr Schutz bietet, weil sie nicht kann, weil sie nicht echt ist, weil sie bröckelt. Und weil das alles krank macht.
Wenn ich biografische Romane lese von Hesse, Rilke und Co., dann frage ich mich, wie verzweifelt diese Menschen sein müssen, wie viel Mist sie erlebt haben müssen um so einen kranken Scheiß zu schreiben. Und wenn ich jetzt hier sitze und anfange zu schreiben, mit meinen sechzehn Jahren, dann sagt alle Welt: Was zum verdammten Teufel bildet dieser kleine Bimpf sich ein, was will der denn schon erlebt haben, dass er meckern kann, über Gott und die Welt? Was will er uns denn sagen, wenn Generationen vor ihm auch nicht gehört haben auf die Kritik, wenn doch eh alles weiter geht, wenn doch eh keiner wagt, wenn doch eh alles weiter geht und nur gelacht wird, wenn man nach Hilfe ruft.
Und dann frage ich mich auch- will man das? Will dieses System das, dass eine Fünfzehnjährige und ein Sechzehnjähriger nachts um vier wach liegen, weil er einschlafen und nicht mehr aufwachen will, weil sie hilflos ist und sich überfordert fühlt vielleicht, oder weil sie endlich jemanden gefunden hat, dem es ähnlich beschissen und heuchlerisch geht. „Ich bin unter euch allen hier die Heuchlerischste“, sagt sie dann und erzählt, wie ihr es geht mit Gott und ihren Zweifeln. Und sie unterhalten sich, flüstern in Rücksicht auf die, die Schaden davon nehmen könnten, wenn sie’s hören.
Man vergleicht mit der Bibel. Wie viel arger kranker Wahnsinn passiert, während sie sich unterhalten? Wer weint sich gerade in den Schlaf? Wer tötet wen? Schmiedet Atomangriffspläne, wer macht das alles mit? Wer denkt sich: „Nie wieder Liebe, wenn Liebe der tiefsten Enttäuschung gleich zu sein scheint“? Welches, oder besser wie viele Kinder verrecken wieder an Wasser-,Nahrungs,- und Liebesmangel? Wer schlägt wen (tot)?

Und das alles, während zwei unbedeutende Lichter sich unterhalten, nein- flüstern und krank werden vor Sorge, in ihrem Herzen und ihrer Seele. Während sie weinen, diese unbedeutenden kleinen Lichte, ohne die sich die Welt auch weiter drehen würde, um zwei Querdenker leichter. Ob sie Schaden dabei nehmen, egal. Ob sie da sind, egal. Ob man sie in ihrem Umfeld braucht, nicht egal. „Welcher Teil stirbt mit“, sagt sie dann und erreicht damit, dass er sich in Zukunft trotzdem wünscht einzuschlafen, immer auf die nächste Katastrophe wartend, aber es einfach nicht tut, weil es da einen Menschen gibt, den er so unendlich liebt (und sei es drum, ob ihm das nur eine Seele glaubt ) , der ihn am leben hält.
Kann er die Liebe empfangen, bekommt er die Liebe und- ist das so wichtig für den weiteren Verlauf der Sache? Seit er sagte: „Wenn Gott die Liebe ist, dann verstehe ich unter Liebe etwas anderes, wenn Gott Barmherzigkeit ist, dann verstehe ich etwas anderes unter Barmherzigkeit, wenn Gott Gott sein soll, dann habe ich einen anderen Gott.“, verschließt er sich für diese Sache, er hat alles aus seinem Raum gerafft, was ihn an diesen vermeintlichen Gott erinnert.
Der Sache dienlich ? Wer weiß. Aber gerade besser für ihn . Für ihn ?
„Und welcher Teil stirbt mit, meinst du?“

22.6.10 23:31

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